Unter den Begriff Rotvieh sind die Mittelgebirgs- (Rotes Hoehenvieh) und Niederungsrassen (Angler alter Zuchtrichtung) zusammengefasst.
Niederungsrassen:
Als typische Niederungsrasse ist das Angler Rotvieh alter Zuchtrichtung bekannt. Sie entstand auf der Halbinsel Angeln an der Ostseekueste Schleswig Holsteins. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts wurde der Angler Viehzuchtverein gegruendet und Leistungskontrollen eingefuehrt. Das Angler alter Zuchtrichtung ist ein milchbetontes Zweinutzungsrind. Frueh wurde hier auf eine hohe Milch- und Fleischleistung wertgelegt. Durch Einkreuzungen von roten Daenenvieh und Tieren aus Schweden so wie Red Holstein und Brown Swiss wurden Leistungssteigerungen in der Milch- und Fleischleistung erzielt.
Koerperliche Kennzeichen sind: einfarbig dunkelrot bis sattbraune Farbe, ein dunkles Flotzmaul, gelegentlich weisse Flecken am Euter.
Rotes Hoehenvieh:
Das heutige Rote Hoehenvieh setzt sich aus den Rassen, Vogelsberger, Wittgensteiner, Harzer und Vogtlaendisches Rotvieh zusammen. In Reinform existiert keine Rasse mehr. Das Rote Hoehenvieh war eine dem Mittelgebirgsklima angepasste Rasse. Es wurde als Dreinutzungsrind (Milch, Fleisch, Arbeitskraft) eingesetzt. Als Arbeitstier wurde es ueber seine Heimat hinaus gehandelt und eingesetzt.
Die Tiere sind mittelrahmig, rotbraun bis roetlichgelb, die Schwanzquaste ist weiss ummantelt von rotbraunen Haaren, das Flotzmaul soll hell sein, weisse Flecken am Euter sind moeglich, die Hoerner sind weiss mit schwarzen Spitzen.
Die Rettung dieser Tierrasse ist dem Auffinden von vergessenen Spermaportionen des letzten reinrassigen Bullen (Uwe R12) zu verdanken. Durch gezielten und verantwortungsbewussten Einsatz dieser Spermaportionen konnten hochwertige Tiere gezuechtet werden.
Verwandte Arten gibt es noch in einigen Osteuropaeischen Laendern. In Polen versucht man zum Beispiel die Rasse des polnischen Rotvieh (Podgorska) durch ein breites Depot von Sperma und Embryonen zu erhalten.
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Zum Schluss noch eine Aussfuehrung ueber die Frage: "Warum ist der Erhalt von Nutztierrassen wichtig?"
Kritiker moegen fragen, warum soll man viel Geld und Zeit in die Rettung von aussterbenden Nutztierrassen stecken. Sie sind ja schließlich nicht ausgerottet, sondern auf Grund von wirtschaftlichen Ueberlegungen abgeschafft worden. Kurzum sie konnten sich halt am Markt nicht mehr behaupten. Damit haben sie wahrscheinlich auch recht. Aber diese Denkweise spiegelt immer nur einen kleinen Zeitabschnitt wieder und zerstoert die Moeglichkeit mit von der Natur zur Verfuegung gestellten Ressourcen sich in der Zukunft eventuell geaenderten Bedingungen anzupassen.
Wir brauchen hierbei nicht mal Zukunftsvisionen aufmalen, um fuer den Erhalt von einem großen Spektrum an Nutztierassen zu plaedieren. In Ex Jugoslawien (hier speziell die Kosovo Region) sind auf Grund der Kriege die Infrastrukturen komplett zusammengebrochen. Nur durch Internationale Hilfe kann den Menschen in dieser Region geholfen werden. Dies fuehrte unter anderem dazu, dass den Landwirten Hochleistungsrinder (viel Milch und Fleisch) zur Verfuegung gestellt wurden. Die Tiere starben jedoch teilweise wie die Fliegen und erreichten nicht annaehernd die normale Leistung. Robuste und genuegsame Rassen hatten dagegen keine Probleme und werden von den im Kosovo arbeitenden Fachleuten bevorzugt eingesetzt.
Dieses Beispiel zeigt, das Hochleistungstiere eine gesunde Infrastruktur benoetigen. Bei einer Verschlechterung oder gar totalen Zusammenbruch der Infrastruktur sind diesen Hochleistungstieren Grenzen gesetzt. Der Erhalt vieler Nutztierrassen, die an unterschiedlichen Naturraeumen angepaßt sind, ist also wichtig , um sich einerseits schnell aendernden Bedingungen anpassen zu koennen und andererseits eine grosses genetisches Potential für weitere Zuechtungen zu besitzen.